Archiv für September 2008

missverstandene ironie

80er jahre popmusik, von michael jacksons ‚beat it‘ bis zu sabrinas ‚boys (summertime love)‘, auf tanzveranstaltungen einer sich fortschrittlich und kritisch gerierenden linksradikalen szene, wird oft im sinne einer ironischen brechung, rekontextualisierung zu gunsten eines politischen hedonismus oder fast schon als expropriation durch aneignung verstanden. politisch sei es allemal, denn das theoretische ruestzeug zur dekonstruktion ist ja vorhanden und das kritische bewusstsein sowieso. es scheinen jedoch vielmehr sehnsuechte nach der kindlichen naivitaet und dem kindlichen glueck, ohne die belastung des sich abzeichnenden notwendigen scheiterns der versuche eines richtigen leben im falschen, dem beschaedigten leben, welche fuer grosse teile der szene die rueckkehr zur musikalischen zuckerwatte verlockend erscheinen lassen. diese ist jedoch nicht einmal ueber einen bezug zur problematischen nerd-kultur, welche sich in einem oftmals maennlich kodierten obskurantismus verschanzt, zu verstehen sondern ist allerhoechstens kuschelrock 1-21, golf gti und grossraumdisko.

pawlowsche versicherung

die unart immer oefter auf sich im rueckwaertsgang bewegende fahrzeuge mit graesslichen, leidlich monoton wirksamen, da sich zu keiner ueberlagerung anbietenden, warngeraeuschen aufmerksam zu machen hat, neben der offensichtlichen verunreinigung des schon stark mitgenommen urbanen klangraumes einen weiteren, weitreichenderen aspekt – den der konditionierung und der damit verbundenen schuldfrage. wer in einiger zeit sich anmassen wird auf spezifische warntoene nicht mit den richtigen, instinkthaften reflexen des wartens, wegspringens, etc. – einem konditionierten hund gleich – zu reagieren, duerfte sich in die rolle des an einem verkehrsunfall schuldigen gedraengt sehen, der darueberhinaus den schadenfall wohl begleichen wird muessen.

entspannender rassismus

so genannte entspannungsmusik, einer der abscheulichsten produkte des musikalisch-industriellen komplexes der spaetkapitalistischen warenoekonomie, uebertrifft mithin in seiner idee und form noch die muzak in fahrstuehlen und warteraeumen. selbst die zeit der entspannung, der moeglichen kontemplation, soll noch von warenfoermigen klaengen ausgefuellt und in einen warenoekonomisch sinnhaften rahmen eingezwungen werden, dem jeder vernunftgeleitete gedankengang so ausgetrieben werden kann. materialaesthetisch greift dieses produkt, dem gedanken des positiven rassismus folgend und insbesondere bei musiken der peripherie eine naturnaehe vermutend, meist auf instrumente, melodien und akkordfolgen aus suedamerika und asien zurueck. die panfloete sowie chinesische vierteltonmelodien werden unter zuhilfenahme von erheblichen echoraeumen zu einem immergleichen, klebrigen stoergeraeusch vereint und in das rauschen von bambsuwaeldern geschickt, um dort ihr grausames dasein zu verbringen.