Archiv für Oktober 2008

kaelber auf die schlachtbank

deutschland sucht den superstar, superstars und aehnliche kulturindustrielle erzeugnisse sind die eingestaendnis und reaktion der musikindustrie auf die von ihr selbst erzeugte extreme verkuerzung der verwertung ihrer produkte. wo das one-hit wonder nicht mehr ausnahme sondern regel ist, der pool von musikern nicht mehr ohne kapitalaufwand einfach abgeschoepft, sondern entwickelt werden muss, die kosten also steigen waehrend die verwertungsdauer rapide sinkt, profitmargen nicht nur wegen der restrukturierung des musikmarktes wegbrechen, bietet die ausweitung des verwertungsprozesses auf den produktionsprozess selbst einen ausweg. die durch die kapitalistische verwertung befoerderten autoritaer entindividualisierenden zuege individuellen wie gesellschaftlichen umgangs kommen dabei nicht nur in den aeusserungen der jurymitglieder zum vorschein, sondern sind bereits schon in die koerper der teilnehmer – der sich der schlachtbank selbst praesentierenden kaelber – selbst eingeschrieben.

schwarz ist eine praktische farbe

sie passt einfach zu allem.

deshalb wohl so langweilig.

geld ist zeit

indem die dauer musikalischer ereignisse, seien es konzerte oder aufnahmen, zu einem obzwar nicht wesentlichen, dennoch bewertungsrelevanten kriterium herangezogen wird, geschieht eine umdeutung der musik und der sie rahmenden ereignisse von einer lustbetonten hin zu einer sich kraemerisch windenden, staendig den tauschwert taxierenden sichtweise. das fast schon autoritaer ausbeuterische des ‚ich habe bezahlt, also will ich auch lange unterhalten werden‘ verliert sich und seine lust in der erwartungshaltung eines langen erlebnisses und vergisst dabei vollstaendig die moeglichkeit einer lust an der zeitlichen konzentration, an der kurzen, aber um so heftigeren explosiven darbietung. die forderung nach langen konzerten und vielen zugaben ist wie die forderung nach grossen bildern mit moeglichst vielen farben – sie verkennt das wesen der dinge vollstaendig.